Kommunalwahlprogramm Kitzingen

Der Mittelstand ist die Grundlage unserer wirtschaftlichen Entwicklung und der Finanzkraft unserer Kommunen. Um regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken, wollen wir die in unserer Region ansässigen Unternehmen erhalten, fördern und konkurrenzfähig für die Zukunft machen. Wirtschaftsförderung darf deshalb nicht nur Neuansiedlungen und Export als Ziel haben, sondern auch die Stärkung der Binnenwirtschaft. Von ihr profitieren Handwerker, der Einzelhandel, die Kulturbranche und viele kleine Geschäfte. Von einem überbetrieblichen Netzwerk in der Region profitiert insbesondere der Mittelstand, obwohl keine Werbebudgets wie bei Großunternehmen zur Verfügung stehen.Im Rahmen eines starken Regionalmarketings wollen wir die Vorzüge und Produkte aus unserem Landkreis sichtbar machen. Wir setzen uns für eine umfassende Werbestrategie ein, mit der wir unsere lokalen Unternehmen, Einzelhändler, Hotels, Gastronomen und Vereine in den Blickpunkt einer überregionalen Öffentlichkeit stellen wollen. Ziel einer entsprechenden Kampagne ist es, die Attraktivität unseres Wirtschaftsstandorts stärker zu betonen und damit neue Unternehmen, Kunden, Touristen und Bürger für unsere Region zu gewinnen. 
Der lokale Einzelhandel ist sowohl in den Städten als auch auf dem Land einem massiven Strukturwandel unterworfen. Dies erfordert einen grundlegenden Strategiewechsel. Eine Unterstützung der Einzelhandelsunternehmen durch die Kommunen kann dabei eine Schlüsselrolle spielen, damit eine gute Nahversorgung und lokale Arbeitsplätze erhalten bleiben.Wir wollen Bäckereien und Metzgereien, Dorf- und Hofläden sowie alle Wochenmärkte in unserer Region unterstützen. Wir sind überzeugt, dass ein abwechslungsreiches Angebot und lokale Schmankerl attraktiver sind als eine reine Aneinanderreihung großer Ketten mit einem weitgehend gleichförmigen Sortiment. In klassischen Einzelhandelsstraßen sollten daher Fahrverbote oder Verkehrseinschränkungen unterbleiben sowie ein kostenfreies Kurzzeitparken ermöglicht werden. Für ansässige Unternehmen darf es keine nachträgliche Parkplatzpflicht geben.
Regionale Gastronomie ist von großer Bedeutung, sowohl für die Interessen der Beschäftigten, als auch für die gesamte Gesellschaft. Gaststätten sind ein Stück Heimat und ein zentraler Ort der Begegnung. Hotels sind häufig ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber.Gerade in unserer touristisch geprägten Region ist es daher besonders wichtig, sich um die Sorgen und Nöte der Gastwirte und deren Mitarbeiter zu kümmern. Insbesondere kleine und mittlere Gaststätten sollen daher unterstützt werden, beispielsweise durch die Förderung eines aktiven Vereinslebens in den Dörfern, den Ausbau touristischer Attraktionen und durch günstige Pachtkonditionen bei Gebäuden in kommunalem Besitz.
Die Vermarktung unseres Landkreises als Erlebnisregion mit historischer Bausubstanz, Kultur und Natur ist die Chance, unseren Landkreis weiter für den Tourismus als bedeutenden Wirtschaftsfaktor zu erschließen. Dafür soll ein Naherholungskonzept geschaffen werden, in das möglichst viele Kommunen einbezogen werden. Damit sich Touristen die ganze Region anschauen, brauchen wir kluge Kooperationen mehrerer Gemeinden und örtlicher Tourismusvereine. Zur touristischen Erschließung gehören auch gut ausgebaute Wander- und Radwege sowie ein gut vernetzter öffentlicher Nahverkehr, um Ausflugs- und Naherholungsziele in der Umgebung besser zu erreichen.
Wir setzen uns für eine moderne Infrastruktur ein, die unsere Region als Wirtschaftsstandort attraktiv hält.Dazu gehört eine vergleichbare Versorgung mit schnellem Internet in Stadt und Land. Bis heute besteht keine ausreichende Versorgung mit Breitband-Internet in vielen bayerischen Kommunen. Der Breitbandausbau muss auch in kleinen und mittleren Gemeinden beschleunigt werden, um schnellstmöglich eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser und Mobilfunk zu erreichen.
Die individuelle Mobilität hat auch in der Zukunft ihren berechtigten Platz. Wir sprechen uns für eine vorausschauende und an den Bedürfnissen der Menschen orientierte Verkehrspolitik aus. Dabei muss gleichermaßen den Bürgern, der Wirtschaft und der Verkehrssicherheit Rechnung getragen werden. Eine rein ideologisch motivierte Verkehrspolitik lehnt die AfD ab. Wir bevorzugen kommunale Verkehrskonzepte, die sämtliche Verkehrsträger vom Fahrrad über den motorisierten Individualverkehr bis hin zum schienengebundenen Transport berücksichtigen.Wir setzen uns für einen pünktlichen und zuverlässigen, auch außerhalb der Stoßzeiten und an den Wochenenden verfügbaren öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ein. Die Busverbindungen müssen den Landkreis weitestgehend abdecken, um die Kommunen zu vernetzen. Eine gute Anschlussmobilität mit Park&Ride Lösungen erhöht die Lebensqualität in den ländlichen Regionen und senkt zugleich den Siedlungsdruck in den Städten. Wir setzen uns für gebührenfreie Park&Ride Parkplätze an strategischen Orten ein. Busse und Bahnen, aber auch die Haltestellen und Bahnhöfe müssen attraktiv, komfortabel, sicher und sauber sein. Die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre machen diese Faktoren besonders wichtig. In Schulbussen soll es zur verbesserten Sicherheit für Kinder und Jugendliche eine Sitzplatzgarantie geben. Einen kostenlosen Nahverkehr lehnen wir ab, die Preisgestaltung muss jedoch moderat sein. Wir streben weitere Entlastungen insbesondere für Schüler, Auszubildende, Studenten und Rentner an. Der ÖPNV wird in erster Linie nicht aus finanziellen Gründen genutzt, sondern wegen attraktiver Verbindungen. Daher muss in allererster Linie in gut vernetzte ÖPNV-Verbindungen und in „Wohlfühlfaktoren“ investiert werden. Mit einer engeren Zusammenarbeit der Verkehrsverbünde kann durch ein einfaches Tarif- und Fahrkartensystem der ÖPNV noch attraktiver gestaltet werden. Die regulären Busverbindungen sollen insbesondere an Wochenenden durch sogenannte Rufbusse ergänzt werden. Wir werden uns für eine Reaktivierung der Steigerwaldbahn einsetzen. Hierzu zählt auch ein Wiederanschluss der Strecke an die Hauptstrecke von Nürnberg nach Würzburg, wie er ursprünglich in Kitzingen bestanden hatte. Durch eine gute Anbindung an den ICE-Knoten in Würzburg würden unser Landkreis sowie der Steigerwald und die Stadt Schweinfurt überregional gut erreichbar. Bei einer dichten Taktung kann die Strecke auch für alltägliche Besorgungen der Anlieger sowie für Berufspendler attraktiv gemacht werden. Hierbei sollte auch eine Anbindung des Kitzinger Technologieparks conneKT an die Steigerwaldbahn geprüft werden. Eine Umwidmung und Asphaltierung der Trasse für sogenannte „autonome Busse“ lehnen wir ab.