EU-Lobbyismus macht es möglich: Russlands Einnahmen aus dem Export von Fisch nach Deutschland explodieren, während für zahlreiche andere Bereiche strikte Sanktionen gelten.

EU-Lobbyismus macht es möglich: Russlands Einnahmen aus dem Export von Fisch nach Deutschland explodieren, während für zahlreiche andere Bereiche strikte Sanktionen gelten.

Während die Deutschen Energie sparen und im kommenden Winter „gegen Putin“ frieren sollen, verzehren sie gleichzeitig in bislang nie gekannter Menge Speisefisch aus Russland  – so macht Russland derzeit in Europa mit Fisch ein Riesengeschäft, da sich europäische Lobbyisten zuvor erfolgreich gegen entsprechende Sanktionen gewehrt hatten. 

Während viele europäische Unternehmen in den zurückliegenden Monaten ihre Geschäftsbeziehungen nach Russland abgebrochen haben, floriert der Handel der Russen mit Europas Fischwirtschaft. Dutzende russische Fischereischiffe, darunter auch riesige schwimmende Fischfabriken, haben in den vergangenen Wochen Fisch in norwegischen Häfen angelandet. Dies zeigen Recherchen der Wirtschaftswoche  anhand von Daten des Seefahrtüberwachungsdienstes „MarineTraffic“. Gestützt wird diese Auswertung durch Informationen des Fischerei-Branchendienstes „Intrafish“, demzufolge die Importe von russischen Schiffen mengenmäßig über dem Vorjahresniveau liegen. Aufgrund von Rekordpreisen auf dem Markt liegt der finanzielle Erlös sogar deutlich über dem des vergangenen Jahres. Zwar hatte die EU Sanktionen auf russische Krustentiere wie Krabben und Garnelen sowie auf Kaviar verhängt, nicht jedoch auf Weißfisch. Dazu gehören Fische wie Kabeljau, Schellfisch und der in Form von Fischstäbchen, Schlemmerfilets und Nuggets beliebte Alaskaseelachs. Die europäische Fischindustrie hatte Brancheninsidern zufolge erfolgreich gegen Sanktionen interveniert. So lief beispielsweise das große russische Fischereischiff „Vladimir Zagoskin“ in den vergangenen Wochen immer wieder norwegische Häfen wie Tromso, Hammerfest und Batsfjord an. Insgesamt zeigen die Daten von „MarineTraffic“ mehr als 60 russische Fischereischiffe, deren letzter angelaufene Hafen in Norwegen liegt. Laut „Intrafish“ haben russische Schiffe so in den ersten 31 Wochen dieses Jahres Weißfische im Wert von 150 Millionen Euro in Norwegen angelandet – ein 38-prozentiger Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Angeheizt wird das ergiebige Geschäft der Russen aktuell durch eine Rekordnachfrage nach Kabeljau, Schellfisch und Alaskaseelachs, der überall in den nördlichen Meeren vorkommt. Der in Norwegen angelandete Fisch wird dann zum größten Teil in die EU weiterverkauft. Nur etwa 10 bis 15 Prozent konsumieren die Norweger selbst. Neben Kabeljau und Schellfisch, die Brancheninsidern zufolge vor allem in Frankreich, Portugal, Spanien und Großbritannien beliebt sind, haben die russischen Schiffe vor allem den in Deutschland stark konsumierten Seelachs an Bord. Seelachs kommt allerdings inzwischen auch massiv direkt per Container aus Rußland nach Deutschland. Die Menge ist in den vergangenen Monaten deutlich angestiegen, da die USA ihre Fanggründe zurzeit vor Überfischung schützen und außerdem Alaskaseelachs als wichtigen Bestandteil einer gesünderen Schulspeise eingeführt haben. Erleichtert wird der Import per Container dadurch, dass Russland seine Fangflotte in den vergangenen Jahren modernisiert hat und den Fisch nun auch direkt an Bord zu Filets verarbeiten, verpacken und tiefkühlen kann. Hierdurch wird er geeignet für einen Weitertransport per Frachtcontainer. Hinzu kommt außerdem, dass große Mengen russischer Seelachs und Kabeljau über China nach Europa zurück gelangen – nachdem der Fisch zuvor in China verarbeitet wurde. Es ist also nach der mehr als verqueren Logik der EU und der Bundesregierung völlig in Ordnung, dass deutsche Verbraucher die russische Wirtschaft (und Putin) durch den stark steigenden Verzehr von Fischprodukten aus Russland stärken, während sie gleichzeitig auf Energie und andere Produkte aus Russland verzichten sollen, um damit Russland (und Putin) den Geldhahn zuzudrehen – je nach dem Einsatz der verschiedenen Lobbyverbände.

Und so können sich demnächst die Verbraucher hierzulande darauf freuen, weiterhin massenhaft Fischfilets und Fischstäbchen aus Russland kaufen zu können – allerdings dank der seitens der Bundesregierung bis dahin verursachten Energieknappheit am Ende ohne eine Möglichkeit, die leckeren rohen Fischprodukte auch durchgegart oder gebacken auf den Teller zu bringen. Das ist Wirtschafts- und Sanktionspolitik, bei der Logik sowie ein klarer, gesunder Menschenverstand ganz offenbar keine Rolle mehr zu spielen scheinen…! 

EU-Lobbyismus macht es möglich: Russlands Einnahmen aus dem Export von Fisch nach Deutschland explodieren, während für zahlreiche andere Bereiche strikte Sanktionen gelten.


EU-Lobbyismus macht es möglich: Russlands Einnahmen aus dem Export von Fisch nach Deutschland explodieren, während für zahlreiche andere Bereiche strikte Sanktionen gelten.
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Anonym
Gast
3. September 2022 5:43

Sushi essen, aber Frieren, super!