Quelle: TAZ

Die neue bunte Ampelwelt. Bislang hatten Kinder zwei Elternteile. Doch künftig soll ein Kind bis zu vier Elternteile haben können. Alle vier Elternteile können auf diese Weise auch die Personensorge ausüben und relevante Entscheidungen für das Kind treffen. Ob dies im Interesse des einzelnen Kindes ist, ist dabei offenbar weniger von Belang. Denn schon bei zwei sorgeberechtigten Elternteilen ist es nicht immer einfach, einen Konsens über Erziehungsfragen oder rechtliche und finanzielle Angelegenheiten zu finden. Oder Besuchs-und Umgangsfragen im wohlverstandenen Interesse des Kindes zu regeln. Nicht umsonst ist bereits heute ein ganzes Heer von Sozialpädagogen in Jugendämtern und Familienberatungsstellen mit dieser Thematik befasst.

Von zahlreichen familiengerichtlichen Verfahren zu dieser Thematik ganz zu schweigen. Wie viel komplexer wird es da noch in der Zukunft werden, wenn künftig nicht nurmehr zwei, sondern bis zu vier Personen ihre individuellen Wünsche und Vorstellungen bezüglich der Belange des Kindes in den meisten Angelegenheiten formal mehr oder weniger gleichberechtigt einbringen können und durchzusetzen versuchen. Leidtragender wird dabei immer mehr das Kind werden. Schon heute müssen sich zahlreiche Kinder quasi „zerteilen“, weil ihre getrennt lebenden Elternteile auf ein paritätisches – also absolut zeitgleiches – Umgangsrecht bestehen. Selbst dann, wenn die Wohnorte der Eltern auseinanderliegen. Das Kind „darf“ dann einem modernen Nomaden gleich Woche für Woche seinen „Lebensmittelpunkt“ wechseln. Eine Konstellation, die nicht immer unbedingt die notwendige Stabilität für einen Heranwachsenden bietet, muss er sich doch nicht nur wöchentlich auf häufig unterschiedliche Erziehungsstile einlassen, sondern darüberhinaus auch alle Aktivitäten in seinen beiden regional unterschiedlichen Freundeskreisen dem jeweiligen fremdbestimmten Besuchsrhythmus anpassen. Die Regelung der neuen Ampelkoalition ist daher ein weiterer Schritt dahingehend, die individuellen „Befindlichkeiten“ Erwachsener zu fördern. Das Kind bleibt bei diesem zunehmenden Individualismus und Egoismus immer mehr auf der Strecke…!

Titelbild Quelle: Basile Morin, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

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