Erotisches Verhalten ohne Zustimmung – Weil sexistisch: Mutter fordert, Märchen von Dornröschen zu verbieten

Quelle: 24Hamburg

Der Kuss. Er ist auch in Märchen weit verbreitet. Dort wohnt ihm meist ein ganz besonderer Zauber inne. Er befreit Protagonisten vom Einfluss böser Mächte. So wird beispielsweise Dornröschen nach einer folgenschweren Verletzung mit einer von einer bösen Fee vergifteten Spindel aus einem unfreiwilligen hundertjährigen Schlaf wachgeküsst. Und Schneewittchen wird nach einem perfiden Attentat ihrer bösen Stiefmutter mit einem vergifteten Apfel durch einen sanften Kuss aus ihrem komatösen Zustand befreit. Und im Froschkönig verwandelt sich der verzauberte Frosch nach dem Kuss eines Mädchens in einen glücklichen Jüngling zurück. Doch wir wären nicht im Jahr 2021, wenn man in diesen Märchen, die Generationen von Kindern (und Erwachsenen) in ihren Bann gezogen haben, nicht plötzlich einen unverzeihlichen Angriff auf die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen (und Fröschen??) sehen würde. Und den unschuldigen Kuss samt den dazugehörigen Märchen verbieten und aus dem Antlitz der Geschichte verbannen wollte.

Dornröschen ist einer der Klassiker der Gebrüder Grimm. Doch eine Mutter fordert nun, das Märchen künftig im Unterricht zu verbieten. Der Grund: Dornröschen sei sexistisch. Ihr ist die Geschichte, in der ein edler Prinz die verwunschene Prinzessin wachgeküsst, ein echter Dorn im Auge. Schließlich habe der Prinz die schlafende Prinzessin einfach geküsst, ohne diese vorher um Erlaubnis zu fragen – für die Mutter ein klarer Verstoß gegen die sexuelle Selbstbestimmung der Frau. Dementsprechend solle nach ihrer Auffassung die Geschichte aus sämtlichen Schulbüchern gestrichen werden. Auch die „Genderforscherin“ Dr. Stevie Schmiedel ist der Meinung, dass „Grimms Märchen zum Altpapier“ gehören, seien diese doch ein klares Beispiel für die „Geschichte der weiblichen Unterdrückung“.

Ein klarer Beleg dafür, warum man die allerorten wie Pilze aus dem Boden schießenden „Gender-Gaga-Lehrstühle“ nicht weiterhin aus öffentlichen Steuermitteln finanzieren sollte. Denn sie verdrehen letztlich in ihrer abstrusen Denkweise die Inhalte der Märchen und die beabsichtigte „Moral“ der Geschichten. Nicht derjenige, der küßt, ist hier der „Feind“ des unschuldigen jungen Mädchens (oder Jünglings), sondern ein Dritter. Der Kuss – als Symbol einer Liebe, die alles erreichen kann, seien die Widrigkeiten auch noch so groß – wird hier völlig zu Unrecht stigmatisiert. Denn er ist hier ein Symbol der Befreiung, nicht der Unterdrückung. Und man fragt sich darüberhinaus, wie der junge Prinz das schlafende Mädchen hätte um sein Einverständnis bitten können. Denn schließlich handelte es sich ja vorliegend nicht um einen natürlichen Schlaf, sondern einen totenähnlichen Zustand, der keine eigenen Entscheidungen oder Regungen mehr zuließ. Da Dornröschen und Schneewittchen keine Einwilligung mehr hätten geben können, wären sie demnach auf Dauer verloren gewesen. Ein „echter Fortschritt“ für die Betroffenen. Besonders witzig ist am Ende eines der Argumente der märchenfeindlichen Mutter. Für sie bestünde ein prägender Zusammenhang zwischen traditionellen Märchen und gewaltsamen Übergriffen auf junge Frauen, zum Beispiel auf der Tanzfläche von Diskotheken. Doch bei den meisten jungen Frauen, die in den letzten Jahren unfreiwillig „angetanzt“ wurden, dürften nicht Grimms Märchen die Ursache gewesen sein…!

Titelbild Quelle: Dornröschen im Märchenwald in Odenthal-Altenberg, von Kleinbild-Negativ, Aufnahme 1995 – TipFox, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Print Friendly, PDF & Email
Was meinen Sie dazu?
+1
0
+1
435
+1
324
+1
2.3k
+1
534
Share this page to Telegram

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.