Rassismus-Kritik: Stadtwappen von Stuttgart-Bezirk Möhringen soll neu gestaltet werden

Martinskirche in Möhringen: "Filderdom", von Christian Friedrich Leins 1852 - 1855 erbaut, neugotischer Kirchenbau, 1944 ausgebrannt nach Fliegerangriff, 1949 wieder eingeweiht

Eigentlich ist es eine Ehre, auf einem Stadtwappen verewigt zu sein. Adelige, tapfere Ritter, einflussreiche Kaufleute und Menschen, die sich auf besondere Weise für eine Stadt verdient gemacht haben, zieren bis heute unsere historischen Stadtwappen. Auf dem Stadtwappen des Stadtteils Stuttgart-Möhringen wurde dereinst ein Farbiger abgebildet. Doch wir wären nicht in „Buntland“ im Jahr 2021, wenn nicht auch dies zu einem Problem hochstilisiert und als rassistisch bezeichnet würde.

Einen Farbigen mit krausem Haar und großen Kreolen-Ohrringen (entgegen Zeitungsdarstellungen handelt es sich dabei nicht um eine Frau, sondern nach heraldischer Bezeichnung um einen Mohren) – das sieht man derzeit auf dem Stadtwappen des Stuttgarter Stadtbezirks Möhringen. Und das soll jetzt geändert werden – weil es rassistisch sei. Die grün regierte Stadt will nun ein neues Wappen für ihren Stadtbezirk Möhringen. Die Bewohner können sich an der Gestaltung des neuen Wappens beteiligen. Jeder, der mindestens sechs Jahre alt ist, kann bis zum 26. November seinen Entwurf im Bezirksrathaus abgeben und nimmt damit an einem Ideenwettbewerb teil.

Doch ist die allein graphische Umgestaltung des Stadtwappens nicht womöglich zu kurz gedacht? Auch wenn der Name Möhringen nicht von dem auf dem Wappen abgebildeten Farbigen abgeleitet wurde, sondern vom alemannischen Sippennamen des Gründers Moro, so könnte man dabei doch irgendwie auf „falsche Gedanken“ kommen. Was, wenn jemand die beiden Pünktchen über dem „o“ übersieht oder diese irgendwie verdeckt oder ausgeblichen wären? Dann könnte man ja am Ende auch den Namen höchstselbst als rassistisch verorten. Sollte man daher nicht gleich auch vorsichtshalber über eine Umbenennung des Stadtteils in beispielsweise Stuttgart-Karottenhausen nachdenken? Da gäbe es auch interessante Ideen für die dazu passende graphische Umgestaltung des Wappens. Wie wäre es beispielsweise mit einem Esel, der einer Karotte hinterherrennt? Der „Phantasie“ sind in Buntland schließlich keine Grenzen gesetzt…!

Quelle: SWR

Titelbild Quelle: Martinskirche in Möhringen: „Filderdom“, von Christian Friedrich Leins 1852 – 1855 erbaut, neugotischer Kirchenbau, 1944 ausgebrannt nach Fliegerangriff, 1949 wieder eingeweiht – qwesy qwesy, CC BY 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by/3.0, via Wikimedia Commons

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