Wolkenkratzer, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Flucht in die Dienstunfähigkeit statt Verantwortungsübernahme? Diesen Eindruck hinterlässt das Verhalten des Landrats von Ahrweiler nach seinem Versagen in der Flutkatastrophe

Extreme Starkregenfälle hatten Mitte Juli in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verheerende Überschwemmungen an Flüssen ausgelöst. Viele Gemeinden, insbesondere im Ahrtal, wurden hierdurch verwüstet. Allein in Rheinland-Pfalz kamen im Zusammenhang mit dem Hochwasser 133 Menschen ums Leben

Hierbei gerieten mehrere Gemeinden massiv in die Kritik, weil Unwetterwarnungen nicht oder viel zu spät an die betroffene Bevölkerung weitergegeben wurden. Bereits etwa anderthalb Wochen nach der Katastrophe legte der Landrat von Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder. Er könne das Amt krankheitsbedingt absehbar nicht mehr ausüben, gab er als Begründung an. Mitte August stimmte der Kreistag für eine Resolution der SPD-Fraktion, in der Pföhler zu einem vollständigen Rückzug aufgefordert wurde. Die CDU-Fraktion schloss sich der Resolution überwiegend an. Drei Fraktionsmitglieder enthielten sich bei der Abstimmung. Mehr als sieben Wochen nach der Flutkatastrophe im rheinland-pfälzischen Ahrtal hat nun der unter Druck stehende Landrat eine dauerhafte Dienstunfähigkeit beantragt. Bei einer entsprechenden Bewilligung darf er sich künftig auf Dauer auf üppige Ruhegehaltsbezüge freuen.

Da hat wohl jemand sozusagen „die Flinte ins Korn geworfen“ – das Chaos aufräumen dürfen dann künftig andere. So viele Menschen, die teils ihr komplettes Hab und Gut verloren und im schlimmsten Fall auch noch Tote im familiären Umfeld zu beklagen haben, packen an. Mit Mut und Kampfgeist, der unser Aller höchsten Respekt verdient, haben die Betroffenen bereits kurz nach der Katastrophe mit den Aufräumarbeiten begonnen. In Gebieten, die teils so verwüstet sind, dass man eigentlich gar nicht wirklich weiß, wo man zuerst hinlangen soll, ob und wann diese Gebiete überhaupt wieder einmal bewohnt werden können und wie das Ganze überhaupt finanziert werden soll. Schließlich hatte ein gut Teil der Betroffenen keine entsprechende Versicherung gegen Naturkatastrophen – wohl oft genug, weil man sich darauf verlassen hatte, dass ausgewiesene Baugebiete an nicht gefährdeten Stellen liegen und der behördliche Hochwasserschutz funktioniert. Dennoch lassen sich die massiv geschädigten Menschen dort vor Ort nicht unterkriegen und kämpfen für ihre Zukunft. Wie schäbig wirkt es da, wenn sich da einer der Verantwortlichen für das hohe Ausmaß dieser Schäden bereits wenige Tage nach den Ereignissen vollständig aus der Affäre zieht!

Quelle: STERN

Titelbild quelle: Wolkenkratzer, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

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