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Trotz einer stetig steigenden Anzahl von Pflegebedürftigen stehen immer mehr Betten in Pflegeheimen leer. Die Betroffenen versuchen, im Verlauf der Corona-Pandemie eine Aufnahme in einer Einrichtung zu vermeiden

allerdings nicht aus Angst vor einer dortigen Infektion mit dem Virus, sondern aufgrund der dort von staatlicher Seite angeordneten Isolation

Wer vor Beginn der Corona-Pandemie für sich selbst oder für einen Angehörigen einen Platz in einem Pflegeheim suchte, hatte es oft schwer. Meist musste der Betreffende in mehreren Einrichtungen anfragen, bis er ein freies Bett fand und immer wieder war es sogar nötig, auf etwas weiter entfernte Einrichtungen auszuweichen, da man im näheren Wohnumfeld aufgrund entsprechender Wartelisten vertröstet wurde. Das hat sich zwischenzeitlich geändert. In ganz Bayern sind mittlerweile ungewöhnlich viele Seniorenheim-Plätze frei. Und das trotz gleichzeitig gestiegener Zahl an Pflegebedürftigen. Dies bestätigt auch die AOK Bayern. Der Leerstand hat seinen Grund. Medienrecherchen haben ergeben, dass es kaum an einer Angst vor einer möglichen Ansteckung mit dem Corona-Virus in der Einrichtung liegt, sondern vielmehr an der Angst vor erneuten Lockdowns und der damit verbundenen sozialen Isolation. Auch Umfragen bei derzeitigen Heimbewohnern selbst haben ergeben: Möglicherweise nicht mehr uneingeschränkt von ihren Verwandten besucht werden zu können, das ist eine ihrer größten Sorgen. Eine Angst, die mögliche künftige Heimbewohner abschreckt. Denn im eher tristen Alltag in einer Einrichtung ist der Besuch von Verwandten und guten Bekannten das, was wieder Licht, Freude und Aufmunterung ins Leben des Betagten bringt und das Leben für ihn erstrebenswert macht. Auf diesen äußerst wichtigen sozialen Faktor mussten die Menschen in den zurückliegenden Monaten jedoch lange Zeit verzichten. Darüberhinaus gingen die sozialen Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie in Einrichtungen sogar soweit, dass sich Bewohner selbst innerhalb des Hauses über lange Zeit nicht untereinander treffen konnten, kein gemeinsamer Besuch der Kantine erlaubt war, keine Veranstaltungen oder sonst üblichen gemeinsamen Aktivitäten wie beispielsweise musizieren oder basteln stattfanden und die Bewohner statt dessen all die Zeit auf ihr kleines Zimmer beschränkt wurden. Eine Situation, die nicht nur alten Menschen zu Recht Angst macht.

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er fürchtet daher nichts so sehr wie fremdbestimmte Einsamkeit und soziale Isolation. Denn Einsamkeit und Isolation machen krank. Zahlreiche Studien zu diesem Thema und wissenschaftliche Experimente haben bereits gezeigt: Einsamkeit ist genauso schädlich wie der Konsum von 15 Zigaretten am Tag oder wie Alkoholmissbrauch. Vereinsamung ist außerdem doppelt so schädlich wie Fettsucht. Und soziale Isolation verkürzt das Leben. Es ist daher nur zu verständlich, dass Menschen die Kontrolle über ihr eigenes Leben – auch am Lebensabend – behalten und sich nicht unter eine überbordende staatliche Kontrolle begeben wollen. Denn am Ende zählt für die meisten Menschen nicht nur die reine Lebensdauer, sondern vor allen Dingen die empfundene Lebensqualität!

Quelle: BR

Titelbild Quelle: Screenshot Video BR: https://www.br.de/nachrichten/bayern/leere-zimmer-und-betten-was-ist-los-in-altenheimen,ShD0qSY

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