Cancillería del Ecuador from Ecuador, CC BY-SA 2.0 , via Wikimedia Commons

Brüder im Geiste? Vertreter zweier totalitärer Regime verbünden sich, um über Handelsabkommen zu beraten

Die chinesische Regierung trifft sich mit einer Delegation von Taliban, Vertretern jenes Terrorregimes, die nach dem Abzug westlicher Truppen in Afghanistan gerade Frauen lebendig begraben

Doch derlei „Nebensächlichkeiten“ interessieren offenbar nicht, wenn es um die mögliche Hebung immenser Bodenschätze geht

Nach der Eroberung Afghanistans und der Hauptstadt Kabul durch die Taliban ist das Land für den Westen tabu. Diese Gelegenheit nutzt China sofort: Die Führung in Peking bietet , nur wenige Stunden nachdem der afghanische Präsident außer Landes geflohen war, den neuen Herrschern im Nachbarland „freundliche Beziehungen“ an – natürlich nicht ganz uneigennützig. „China respektiert das Recht des afghanischen Volkes, unabhängig sein eigenes Schicksal zu entscheiden und ist bereit, freundliche und kooperative Beziehungen mit Afghanistan“ zu unterhalten, erklärte Außenamtssprecherin Hua Chunying. Die hochrangige Regierungsvertreterin übersieht dabei ganz offensichtlich, dass das Nachbarland von einer Terrormiliz erobert wurde, die derzeit Frauen lebendig begräbt. Von einer „unabhängigen“ und freiwilligen Entscheidung der afghanischen Bevölkerung über den erfolgten Machtwechsel kann dabei bei klarem Verstand wohl nur äußerst bedingt die Rede sein. Aber im vorliegenden Fall überwiegt wohl ganz einfach Chinas Gier nach begehrten Rohstoffen, die in Afghanistan reichlich vorhanden sind. Dass die Chinesen mit den afghanischen Taliban gut auskommen wollen, war bereits im Juli deutlich geworden, als sich Chinas Außenminister Wang Yi persönlich mit Taliban-Führer Abdul Ghani Baradar getroffen und Seite an Seite für ein Foto posiert hatte. Afghanistan ist zwar selbst ein armes Land, verfügt aber über wertvolle Bodenschätze. Allein in den 30 Prozent des Landes, die die afghanische Regierung gemeinsam mit der US-Geologiebehörde USGS untersuchen konnte, werden Rohstoffe im Wert von bis zu drei Billionen US-Dollar vermutet. Laut USGS handelt es sich um große Vorkommen einer ganzen Reihe von Mineralien und Metallen, die für die Industrie interessant sind. Zu den größten Schätzen zählen reiche Vorkommen an Kupfer und Eisen. Aber auch die für Hightech-Produkte benötigten Seltenen Erden sowie das für Batterien gefragte Lithium und Kobalt schlummern in großen Mengen im afghanischen Boden. Zudem gibt es auch Kohle, Öl und mehrere große Goldadern. Da sind in China große Begehrlichkeiten entstanden. Bereits 2007 hatte sich die China Metallurgical Group schon für 30 Jahre die Schürfrechte für den bei Kabul gelegenen Ort Mes Aynak gesichert. Hier lagert das mutmaßlich größte unerschlossene Kupfervorkommen der Welt mit einem geschätzten Wert von 100 Milliarden Dollar. Da dürfte nun sicher, sollte man sich bezüglich der Abbaumodalitäten bald einig werden, auch für die Taliban der ein oder andere größere Betrag für die Kriegskasse für den Kampf gegen den Westen abfallen.

Während die westlichen Länder in den zurückliegenden zwanzig Jahren zumindest bemüht waren, der afghanischen Bevölkerung Schutz vor der Terrororganisation der Taliban zu bieten und freiheitlicheren Kräften in diesem Land in größerem finanziellen und organisatorischem Umfang Unterstützung zu gewähren, hielt sich China in dieser Zeit recht vornehm zurück. Man überließ es dem Westen, eine Infrastruktur aufzubauen, Bildungsangebote für die Bevölkerung zu eröffnen und örtliche Streit-und Sicherheitskräfte auszustatten und auszubilden, in der Hoffnung, dass man in der dortigen Region zumindest einen fragilen Frieden schaffen könne. Die Rohstoffe des Landes blieben durch den Westen unangetastet, schließlich sollte eine künftige moderate Regierung und Gesellschaft über ausreichend Ressourcen verfügen, um einen wirtschaftlichen Aufschwung zu ermöglichen und die Armut der Bevölkerung zu beheben. Nun, nach dem Zusammenbruch des Landes und der nahezu vollständigen Eroberung durch die Taliban kommt China flink um die Ecke, um sich an die Bodenschätze heranzumachen. Wohl wissend, dass dieses Geld nun nicht der bedürftigen Bevölkerungsmehrheit zugute kommen wird, sondern voraussichtlich dazu dienen wird, vorrangig die Taliban zu versorgen und dass diesen damit auch neues Geld für künftige Waffenbeschaffungen zur Verfügung stehen wird. Dabei ist es den neuen Handelspartnern der Taliban ganz offenbar egal, dass an ihren künftigen Geschäften das Blut unzähliger Menschen der Zivilbevölkerung kleben wird und dass sie damit ein System unterstützen, dass Menschenrechte mit Füßen tritt. Nun ja, das ist ja schließlich etwas, was auch der rigiden und gewissermaßen diktatorisch veranlagten Regierung in Peking nicht wirklich fremd ist. Auch in China hatten bereits oft genug Menschen, die Kritik an der Regierung übten, mit teils erheblichen Menschenrechtsverletzungen zu rechnen.

Mit Spannung werden wir nun beobachten, ob China im Gegenzug für die zu erwartenden erheblichen finanziellen Gewinne zumindest in gewissem Umfang auch den zu Recht vor den Taliban flüchtenden Zivilisten Schutz und Unterkunft gewähren wird. Oder wird man dort dieses besondere „Privileg“ mal wieder dem Westen überlassen?

China empfängt Taliban-Abordnung Bereits im Juli hatte der chinesische Außenminister Wang Yi eine Delegation der Taliban empfangen.

Quelle: STERN

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Cancillería del Ecuador from Ecuador, CC BY-SA 2.0 , via Wikimedia Commons
ABZUG DES WESTENS - Afghanistans Bodenschätze: Für diese Rohstoffe interessieren sich China und Co. - Brüder im Geiste? Vertreter zweier totalitärer Regime verbünden sich, um über Handelsabkommen zu beraten. Die chinesische Regierung trifft sich mit einer Delegation von Taliban, Vertretern jenes Terrorregimes, die nach dem Abzug westlicher Truppen in Afghanistan gerade Frauen lebendig begraben. Doch derlei „Nebensächlichkeiten“ interessieren offenbar nicht, wenn es um die mögliche Hebung immenser Bodenschätze geht.  

Bildquelle: Der chinesische Außenminister Wang Yi – Cancillería del Ecuador from Ecuador, CC BY-SA 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0, via Wikimedia Commons

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