Es ist für den Zustand unseres Landes beschämend. Obwohl mittlerweile sämtliche Bewohner eines Seniorenheims gegen Corona geimpft wurden, dürfen sie dennoch ihre Mahlzeiten nicht gemeinsam in der Kantine der Einrichtung einnehmen. Den Senioren wird damit ihre Würde genommen.

Die Bewohner eines Pflegeheims bleiben trotz umfassender Impfung weiterhin in der Einrichtung voneinander isoliert. Das Gesundheitsamt Lörrach, das Verwaltungsgericht Freiburg und das Verwaltungsgericht Mannheim erteilten einem gemeinsamen Mittagessen der betroffenen Hochbetagten ein Veto. Denn es sei nicht hinreichend geklärt, welche Ansteckungsgefahr von Geimpften ausgehe, begründeten die Gerichte ihre Entscheidung. Dabei dürfte wohl für so manchen der hochbetagten Bewohner die Aussicht darauf, für die ihm verbleibende Zeit bald wieder ein „normales Leben“ führen zu können, mit ausschlaggebend für eine positive Entscheidung bezüglich der Corona-Impfung gewesen sein. Dass eine schnellstmögliche Wiederaufnahme des gewohnten Lebens für die Bewohner außerordentlich wichtig ist, zeigt eine Situationsanalyse des Einrichtungsleiters. Denn er erlebt täglich hautnah, was die ständige Isolation mit den Senioren im „Mühlehof“ macht. „Wir haben eine Bewohnerin, die ist noch körperlich fit und läuft häufig übers Gelände“, erzählt er mit belegter Stimme. „Sie fragt ständig: Was soll ich jetzt machen? Ihre Tagesstruktur, zu der auch der Besuch in der Kantine gehört hat, ist einfach weggebrochen.“ Der Heimleiter macht sich mittlerweile Sorgen, dass die Seniorin bald stationär behandelt werden muss, weil sie bereits geistig so stark abgebaut hat. Auch würden sich andere Bewohner nicht mehr waschen und verwahrlosen. Der Heimleiter erzählt: „Manche unserer Bewohner laufen draußen rum, mit verwuschelten Haaren und schmutzigen Klamotten. Man hat wirklich den Eindruck, sie hätten sich aufgegeben, schließlich sieht sie ja keiner mehr“.

Ein Medizinethiker stellt hierzu fest: „Meiner Meinung nach gilt hier das antike medizinethische Leitgebot der Schadensvermeidung. Ein Verbot des gemeinsamen Mittagessens für geimpfte Senioren richtet erheblichen Schaden an, an Seele und Leib. Ich würde es als Teil einer nicht akzeptablen, verordneten existenziellen Vereinsamung sehen“. Der ehemalige Public-Health-Professor sieht in der Entscheidung, die Kantine auch weiter geschlossen zu halten, das Gebot des Humanen verletzt. „Den Senioren wird ihre Autonomie, ihre Würde genommen. Sie stehen am Ende ihres Lebens und dürfen nicht selbst entscheiden, welches Risiko sie eingehen“.

Doch tatsächlich ist das, was im „Mühlehof“ geschieht, gängige Praxis in vielen der 12.000 Pflegeheime in Deutschland. Obwohl 95 Prozent der 900.000 Bewohner in Einrichtungen eine Erstimpfung erhalten haben und 73 Prozent eine Zweitimpfung, herrschen dort dennoch weiterhin strenge Kontaktbeschränkungen. Das zerstört Geist und Psyche und so mancher Bewohner wird bei Weiterführung der strikten Regeln trotz Impfung in Einsamkeit sterben. Dies dürfen wir als Gesellschaft nicht zulassen und müssen hier den schwächsten unter uns eine starke Stimme verleihen!

https://www.focus.de/politik/deutschland/keine-lockerungen-trotz-impfung-immun-aber-isoliert-in-seniorenheimen-offenbart-sich-blinder-fleck-der-impfstrategie_id_13141443.html?utm_source=other&utm_medium=social&utm_campaign=other-meme-shortlink&fbc=other-meme-shortlink&ts=202103300952&cid=30032021&fbclid=IwAR0Ls4cMxC4uvRNlNi4k8f_74h_ZAMjYh29S9ELx44FbGLHPH5u0inMNuzM

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